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Garrix' MARTY braucht Madonna und U2, doch seine eigene Stimme muss überzeugen

Ein Pop-Debüt voller Gäste wie Madonna, U2 und Ed Sheeran zeigt, worauf sich EDM-Headliner beim Crossover stützen. Entscheidend ist, ob Garrix' eigene Stimme besteht.

Veröffentlicht
23. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Was sagt es über einen Dance-Superstar aus, wenn sein erstes Pop-Album mit einer Gästeliste erscheint, die wie ein Wahlzettel für die Hall of Fame wirkt? Entweder, dass er sich den Platz verdient hat, oder dass er immer noch einen berühmten Namen an seiner Seite braucht, um ihn einzunehmen. Bei Martin Garrix' MARTY vermuten wir ein bisschen von beidem. Die interessantere Frage ist, was die Oberhand behält.

Die Gästeliste ist die Schlagzeile, der Gesang die eigentliche Geschichte

Wie Billboard berichtet, ist MARTY ein Projekt mit 14 Titeln, das am 5. März 2027 über STMPD Records/Darkroom Records erscheint. Garrix bestätigte es bei einer Spotify-Pop-Up-Show zur Eröffnung des Amsterdam Dance Event. Bestätigte Beteiligte sind bisher Madonna („Bizarre“), U2 („Fireflies“), Ed Sheeran („Rewind Repeat It“) und Aitana auf seinem ersten spanischsprachigen Song. Weitere Namen sind angekündigt.

Die Wendung: Garrix singt erstmals bei vier Titeln solo. Zwei sind bereits erschienen: „Catharina“, über seine Mutter, und „This Dream of You“. Laut Rolling Stone drängte Bono ihn ans Mikrofon, coachte seinen Vortrag und steuerte Teile der Texte bei.

Legacy-Namen sind der neue Reisepass

Das Muster ist eindeutig. Garrix hat bereits sechs Einträge in den Billboard Hot 100 und arbeitet seit Langem mit Sängern zusammen: Dua Lipa, Usher, Bebe Rexha. Das ist nicht neu. Neu ist die Kragenweite. Madonna, alle vier Mitglieder von U2 und Sheeran sind nicht nur Gastsänger. Sie sind Gütesiegel.

Aus unserer Sicht ist das die leise Botschaft der EDM-Pop-Pipeline im Jahr 2026. Ein Festival-Headliner füllt riesige Hallen und steht dennoch einer Radio- und Playlist-Welt gegenüber, die vertrauten Gesichtern mehr traut als Produzenten. Legacy-Künstler verleihen die Glaubwürdigkeit, die ein noch so gewaltiger Drop nicht bieten kann. Das ist clever. Es ist aber auch ein leises Eingeständnis, dass die Treue des Dance-Publikums sich nicht automatisch überträgt.

Manches ist allerdings weniger geliehen, als es aussieht. „Rewind Repeat It“ ist mehr als zehn Jahre alt, die Verbindung zu Sheeran ist also alt und nicht opportunistisch. Und der Madonna-Song erscheint auf ihrem eigenen Album, Garrix leiht ihr also auch seine Produktion. Die Starpower wirkt in beide Richtungen.

Das eigentliche Wagnis: vier Songs ohne prominenten Partner

Was wir spannender finden als die Gästeliste: Garrix sagte Rolling Stone, er sei hinter dem Pult geblieben, weil er sich dort wohlfühlte, und er nennt das Singen „sehr weit außerhalb meiner Komfortzone“. Wenige Produzenten versuchen es, noch weniger machen es gut. Diese Ehrlichkeit ist das größte Plus des Albums und zugleich sein größtes Risiko.

Das Konzept ist ehrgeizig: Jeder Song ist ein Kapitel, von der Geburt bis zum Leben nach dem Tod, mit „ewiger Liebe“ als Thema. Konzeptalben dieser Art stehen und fallen mit der Glaubwürdigkeit des Erzählers. Wenn die autobiografischen Songs die schwächsten Gesangsmomente zwischen glatten Star-Auftritten sind, wirkt die Platte wie eine Greatest-Guests-Compilation. Trägt Garrix' schlichte, leicht verletzliche Stimme das emotionale Gewicht, werden die Gastauftritte zur Würze statt zum Hauptgericht.

Dazu kommt das Etikett „Debüt“. MusicRadar merkt an, dass Augenbrauen hochgehen könnten, da Sentio 2022 erschien. Garrix nennt es ein Club-Album und MARTY „Pop-Dance“. Die Unterscheidung räumen wir ihm ein. Es ist Marketing, aber vertretbares.

Unser Urteil

Neugierig sein, nicht überzeugt. „Fireflies“ liegt laut The Music Universe bereits in den britischen Radio-Top-10, und „Repeat It“ hat die Top 15 der Mediabase Top 40 erreicht, der kommerzielle Fall wirkt also solide. Doch Radiohits mit berühmten Freunden beweisen keinen Künstler. Man sollte MARTY an den Titeln messen, bei denen niemand Berühmtes neben ihm steht. Halten diese stand, hat Garrix sich keine Starpower geliehen, sondern sie genutzt, um sich seine eigene zu verdienen. Wenn nicht, bringt der März eine sehr gut vernetzte Playlist, kein Album.

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