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Musisfera-Redaktion
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Hayley Williams hat recht: Fontaines D.C. brauchten keine Erlaubnis zur Veränderung

Williams' Verteidigung von Dopamine Chamber sagt weniger über ein Album als darüber, wer eine Band beurteilen darf, die ihre eigene Blaupause zerreißt: Kollegen, Kritiker oder Kommentarspalten.

Veröffentlicht
22. Oktober 2026
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3 min
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Wenn eine Band nicht mehr so klingt wie die Band, in die man sich verliebt hat, wer hat dann das letzte Wort: der Fan, der sich verraten fühlt, der Kritiker mit seiner Sternebewertung oder ein anderer Musiker, der weiß, was es kostet, das Ruder herumzureißen? Diese Woche hat Hayley Williams für die dritte Option votiert, und wir meinen, sie hat einen Punkt.

Zum Hergang: Williams, die Frontfrau von Paramore, hat Dopamine Chamber, das fünfte Album von Fontaines D.C., gegen Kritik von einigen „Typen im Internet“ verteidigt, so NME. Andere Medien beschreiben es so, dass sie das Album als Reaktion auf Kritik am sich wandelnden Sound der Band lobte. Das Album selbst ist dunkler und stärker von Synthesizern und Streichern geprägt als die früheren und enthält ein Duett mit Rosalía.

Umstritten heißt nicht falsch

Die Aufnahme ist gespalten, und das sollte man ehrlich sagen. The Guardian nennt es ein „betörendes, unerschöpflich einfallsreiches und häufig verblüffendes“ Album einer Gruppe, die sie für die beste Band ihrer Generation hält. Treble spricht von „makellos gearbeitet und endlos faszinierend“. Auf der anderen Seite heißt es in einer Rezension von Sputnikmusic, die Hälfte des Albums sei recht gut, enthalte aber kaum originelle Ideen, und eine Rezension von Beats Per Minute meint, ein Stück wirke wie ein Relikt des Pop von vor zehn Jahren.

Auffällig ist, was diese Einwände gemein haben: Sie messen das Album an etwas bereits Gehörtem. Das ist ein legitimer kritischer Zug, aber ein seltsamer bei einem Album, dessen ganze Prämisse offenbar der Abschied von der früheren Vorlage der Band ist. Gitarrist Conor Curley sagte laut The Guardian, er habe Klänge vermeiden wollen, die sofort an historische Bands erinnern. Ob das gelungen ist, ist strittig. Dass sie es versucht haben, nicht.

Kollegen hören das Handwerk, Kommentarspalten den Verrat

The Guardian merkte außerdem an, dass eine Reihe von Fans empört über Rosalías Beteiligung war, als die Tracklist auf Instagram bekannt gegeben wurde. Das zeigt, worum es bei einem Teil dieser Gegenreaktion wirklich geht: nicht um Songs, sondern um Besitzansprüche. Ein Teil des Publikums will die Band bewahrt sehen, und ein Album, das nach einer in sich ruhenden Band klingt, empfindet er als Abkehr.

Williams sitzt auf einem anderen Platz. Sie ist selbst Musikerin, und wir vermuten, dass sie eine Version desselben Vorwurfs „Warum bist du nicht mehr, wer du warst“ erlebt hat. Dass eine Kollegin sich gegen die lautesten Stimmen im Netz stellt, ist eine Geste, die hier zählt, denn Künstler erkennen Risiko und Mut oft, bevor sich jemand auf ein Urteil festgelegt hat. Wir weisen darauf hin, dass dies unsere Lesart ist, nicht ihre erklärte Begründung. Sie passt aber.

Wertungen altern, Ambition bleibt sichtbar

Treble führt einen Punkt an, den wir überzeugend finden: Das Album sei von der Art, wie sie nur eine Band von Fontaines' Format zustande bringe, und es könne in einem Jahr noch mehr Geheimnisse preisgeben. Das ist der eigentliche Test für ein Album, das Muster sprengt. Reaktionen beim ersten Hören, auch beiläufige im Netz, belohnen tendenziell das Vertraute. Platten, die auf Texturen und Schichten bauen, brauchen oft Zeit, und uns scheint, Kollegen gewähren sie schneller als ein Kommentarstrang.

Das macht Williams' Verteidigung nicht zum Trumpf. Die Bewunderung einer berühmten Freundin repariert keine schwache zweite Hälfte, falls man eine hört, und Rezensenten, die die Ideen für recycelt halten, dürfen das sagen. Promi-Solidarität kann zudem selbst zu einer Art Fanverhalten werden.

Unser Urteil

Hören Sie Dopamine Chamber selbst, mehr als einmal, bevor Sie Partei ergreifen. Wenn Sie einen Stichentscheid brauchen, achten Sie darauf, wer spricht: Kritiker, die Zeit mit dem Album verbracht und Handwerk gefunden haben, und eine Musikerkollegin, die sich dafür starkmacht, wiegen schwerer als ein abfälliger Thread. Bands, die sich weigern, sich zu wiederholen, wird man immer vorwerfen, sie hätten den Faden verloren. Manchmal klingt so eben Fortschritt für Leute, die eine Wiederholung wollten.

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