Oasis schafft den freien Vorverkauf ab. Feste Preise reichen nicht
Oasis Live '27 reagiert auf das Ticketchaos von Live '25 mit Festpreisen und einer Registrierungslotterie. Fairer ist das, doch als Vorbild taugt es nur, wenn mehr Fans hineinkommen.
KI-generiertes Bild
Wie nennt man einen Ticketverkauf, über dessen Unfairness sich niemand beschweren kann, weil niemand dafür Schlange stehen darf? Oasis hat es herausgefunden. Für Live '27 hat die Band den freien Verkauf komplett gestrichen. Das Ergebnis ist ein ruhigeres, saubereres Verfahren, das für die meisten dennoch in Enttäuschung endet.
Die Fakten sind schnell erzählt. Wie TicketNews berichtete, wurde die Tour mit 38 Stadionterminen in Großbritannien, Irland, Kontinentaleuropa und den USA angekündigt, ohne freien Verkauf und ohne weitere öffentliche Vorverkäufe. Fans mussten sich bis zum 17. September registrieren, um eine Chance auf einen einmaligen, nicht übertragbaren Code für ein zugewiesenes Verkaufsfenster zu erhalten. Die britischen Standardpreise wurden einschließlich Gebühren auf 71,50 bis 266,60 £ festgelegt.
Ein Eingeständnis im Gewand einer Neuerung
Liest man das Format als direkte Antwort auf den August 2024, ergibt es Sinn. Millionen standen für Live '25 stundenlang an, und viele erfuhren erst am Ende, dass die günstigeren Stehplatztickets weg waren. Vorab veröffentlichte Festpreise beseitigen genau das, was die Leute so wütend machte: nicht zu wissen, was sie zahlen müssen, wenn sie vorne ankommen.
Eines sollte man dabei im Hinterkopf behalten. Die CMA fand keine Belege dafür, dass Ticketmaster einen Algorithmus einsetzte, um Preise in Echtzeit zu erhöhen. Kritisiert wurde, wie vorab festgelegte Preisstufen erklärt wurden, und dass „Platinum“-Tickets fast das 2,5-Fache mancher Standardtickets kosteten, ohne zusätzliche Leistungen. Ticketmaster gab Verpflichtungszusagen ab, darunter eine Vorankündigung gestufter Preise 24 Stunden vorher, ohne Fehlverhalten einzuräumen. „Dynamic Pricing“ wurde so zum öffentlichen Kürzel für ein Transparenzversagen. Das ist unserer Ansicht nach wichtig, denn es heißt: Die Lösung betrifft weniger das Preismodell als die Ehrlichkeit beim Verkauf. Diesen Teil hat Oasis geliefert.
Bemerkenswert ist auch, dass es sich nur eingeschränkt um eine Abrechnung mit Ticketmaster handelt. Ticketmaster bleibt laut Hypebot der Ticketingpartner. Das Unternehmen wird nicht ersetzt, sondern von einer Aufsichtsbehörde und einer Band eingehegt, die der Live-Warteschlange nicht noch einmal vertrauen wollte.
Eine Lotterie ist fair, aber fair heißt nicht zugänglich
Hier eilt die Rede von der „Blaupause für die Branche“ den Tatsachen voraus. Laut Syracuse.com bezifferte eine Branchenschätzung die Registrierungen auf mehr als 7 Millionen, und die Zeitung merkte an, dass die Stadionkapazitäten dem nicht ansatzweise gerecht werden. SeatPick meldete später, alle 42 Shows (die Tour sei offenbar von ursprünglich 38 gewachsen) seien über das Wochenende ausverkauft gewesen, weitere Termine kämen nicht hinzu. Diese Zahlen stammen aus Sekundärquellen und Schätzungen und sind daher nur als Richtwerte zu verstehen.
Die Logik ist brutal. Ein zufälliges Codesystem schafft keine Tickets. Es organisiert die Enttäuschung nur so um, dass sie per E-Mail statt in der Warteschlange eintritt. Das ist wohl würdevoller: Wer eine Lotterie verliert, hat keine sechs Stunden vergeudet. Der Verlust bleibt aber derselbe.
Und die Schwarzhändler? Die Live-Berichterstattung des Mirror stellte fest, dass bereits am ersten Verkaufstag Tickets zum Weiterverkauf angeboten wurden, einige zu mehr als dem doppelten Originalpreis, trotz der Maßnahmen gegen den Weiterverkauf. Nicht übertragbare Codes sind ein sinnvoller Filter, doch den Markt haben sie offensichtlich nicht abgedichtet. Wenn ein so strenges Modell Lücken hat, werden andere Tourneen, die es kopieren, ebenfalls welche haben.
Was die übrige Branche tatsächlich übernehmen sollte
Wir halten die Lehre für enger gefasst, als der Hype suggeriert. Hypebot sagt voraus, dass andere Stadionacts ein „Oasis-Modell“ übernehmen werden, wenn Scalper fernbleiben und die Stimmung unter den Fans hält. Das ist eine Prognose, und eine wackelige: Das Modell funktioniert nur bei einer Tour, deren Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches übersteigt, was auf fast niemanden zutrifft. Ein Act mittlerer Arenagröße braucht keine Lotterie, er muss die Halle füllen.
Was sich gut übertragen lässt, ist der unglamouröse Teil. Die Preisspanne veröffentlichen, bevor jemand ansteht. Offen sagen, wann günstigere Kontingente vergriffen sind. Keine Bezeichnungen erfinden, die nicht vorhandene Extras suggerieren. Das kann eine Band versprechen, ohne den Ticketkauf in ein Quiz samt Ziehung zu verwandeln.
Zwei Fragen bleiben außerdem offen. TicketNews weist darauf hin, dass „Standard“ nicht definiert ist, sodass wir noch nicht wissen, welche Premium- oder Hospitality-Pakete außerhalb der Spanne von 71,50 bis 266,60 £ liegen. Und die irische Verbraucherbehörde hat Anklage gegen Ticketmasters irische Tochter wegen der Platinum-Tickets für Live '25 erhoben, wogegen sich Ticketmaster nach eigenen Angaben wehren will. Der alte Verkauf wird noch juristisch aufgearbeitet, während der neue schon ausverkauft ist.
Fazit
Oasis verdient Anerkennung dafür, dass es die Erfahrung der eigenen Fans als Designproblem behandelt und nicht als PR-Problem. Feste Preise und ehrliche Regeln sollten für jede große Tour der Mindeststandard werden. Die Registrierungslotterie sollte nicht zum Regelfall werden, weil sie Knappheit zur Zeremonie macht. Wer keinen Code bekommen hat, wartet vernünftigerweise auf die offiziellen Weiterverkaufskanäle zum Originalpreis, die näher an den Terminen erwartet werden, und überhöhte Angebote sind das Signal, die Finger davon zu lassen. Der eigentliche Test für das Oasis-Modell ist nicht, ob sich der Verkauf ruhiger anfühlte. Entscheidend ist, ob außer den wenigen Glücklichen noch jemand im Stadion landete.
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