U2-Tour 2027 durch Europa ist eine Maschine; entscheidend ist die Show
Zwölf Stadionkonzerte, ein neues Album und ein Visa-Vorverkauf: U2 machen Carnaval De Luz zum Tourbetrieb. Setlist und Ticketpreise entscheiden, ob der Aufwand gerechtfertigt ist.
KI-generiertes Bild
Wer seine Tour „The Greatest Show On Earth“ nennt, reicht Kritikern den Stock, mit dem sie zuschlagen können. U2 wissen das. Hot Press zitiert die Band, die den Namen eine „Kampfansage“ und „eine Herausforderung, an uns selbst genauso wie an alle anderen“ nennt. Fair genug. Die Herausforderung steht jetzt im Kalender, und sie ist groß.
Das Album ist die Auffahrt, nicht das Ziel
Zur Abfolge: Live Nation gab die Termine für Großbritannien und Europa am 29. Oktober bekannt, gut zwei Wochen vor dem Erscheinen des Albums Carnaval De Luz am 13. November. Der Irish Examiner berichtet, es sei das erste Album mit neuem Material seit neun Jahren. Die Europa-Etappe beginnt am 26. April 2027 in Stockholm und führt unter anderem nach Paris, Lissabon, Amsterdam, London und Berlin. Den Abschluss bilden zwei Abende im Mailänder San Siro am 5. und 6. Juli. Die Liste umfasst 12 Konzerte in Stadien. Wolf Alice sind als Vorgruppe dabei. Spanien steht noch aus. Eine Etappe 2028 ist bereits in Planung, und The Edge sagt, die Tour werde in Irland enden.
Das ist der Punkt. Das Album erscheint neun Jahre nach dem letzten neuen Material der Band, doch der Tourplan wirkt deutlich größer als die Platte. Lateinamerika eröffnet die Tour im Februar, und laut LaPresse wurden in Mexiko-Stadt, São Paulo und Buenos Aires zusätzliche Konzerte angesetzt, nachdem die ersten Termine sofort ausverkauft waren. Nordamerika folgt „in den kommenden Wochen“. Wir halten die Reihenfolge für entscheidend. Das Album ist ein Startfahrzeug für einen mehrjährigen Stadionzirkus, nicht umgekehrt.
Ist das zynisch? Nicht unbedingt. Jede große Band mit einem Katalog macht das so, und wer Stadiontickets kauft, wartet nicht auf eine Platte mit zwölf Songs, um sich zu entscheiden. Wir sollten aber ehrlich benennen, was uns hier verkauft wird: eine Tour mit angehängtem Album.
Die Verkaufsstruktur zeigt, wer zuerst drankommt
Ein Blick auf den Vorverkaufskalender: Laut LaPresse beginnt ein erster Vorverkauf für Abonnenten von U2.com am 2. November. Ein zweites Zeitfenster für Abonnenten öffnet am 3. November, am 4. November läuft ein Vorverkauf für Inhaber einer Visa-Karte. Der Artist-Vorverkauf folgt am 5. November. Der freie Verkauf beginnt am 6. November um 10 Uhr. Das sind vier Stufen, bevor die Öffentlichkeit an der Reihe ist, und eine davon ist an eine Kreditkartenmarke gebunden, die offizieller Sponsor der Tour ist.
Über die Preise können wir nicht urteilen, denn die uns vorliegende Berichterstattung nennt keine. Dieses Schweigen ist selbst bemerkenswert: Es ist schwierig, den Gegenwert zu beurteilen, wenn die Kosten nicht auf dem Tisch liegen. Unserer Ansicht nach muss eine Tour dieser Größe ihre Preise klar und frühzeitig offenlegen. Wenn die Band „die beste Nacht im Leben eines jeden“ verspricht, sollte der Eintrittspreis nicht der schlechteste Teil davon sein. Der Tag des freien Verkaufs verdient genaue Beobachtung. Wenn die günstigen Plätze in den Vorverkäufen verschwinden, wirkt das Etikett „für die Fans“ bald abgenutzt.
Die Setlist ist das eigentliche Preisschild
Die Selbstbeschreibung der Band ist aufschlussreich: „ein bisschen Showman, ein bisschen Schamane, ein Farbenrausch, unvernünftige Gitarre, Bass und Schlagzeug und Melodien, an denen man sich festhalten kann.“ Das klingt nach dem Versprechen einer großen, einfachen, aufs Publikum ausgerichteten Show, nicht nach einer Nostalgieübung. The Edge nennt das neue Album „chaotisch, provokant, heilig“. Beide Beschreibungen passen nicht ohne Weiteres zusammen, und genau darin liegt die interessante Spannung.
Eine Setlist nennen die vorliegenden Unterlagen nicht, und wir wollen keine erraten. Die Frage ist dennoch klar. Eine Band, die 50 Jahre feiert, hat einen Katalog, der die Tickets verkauft, und ein neues Album, das die neunjährige Wartezeit rechtfertigen muss. Setzt die Show ganz auf die alten Songs, wird das Album zur Fußnote. Setzt sie auf die neuen, könnte es in den Stadien still werden. Am besten gelingt es, wenn das neue Material neben den Hits seinen Platz verdient. Das ist schwierig, und es ist der eigentliche Test für den Anspruch „Greatest Show“.
Unser Urteil
Auf der Nachfrageseite erscheint die Größenordnung gerechtfertigt: Ausverkaufte Konzerte und Zusatztermine lassen sich schwer bestreiten. Auf der Wertseite ist sie es noch nicht. Zwei Abende in London, Paris, Amsterdam und Mailand sind ein Zeichen von Selbstvertrauen, aber kein Qualitätsnachweis. Wer ein Ticket möchte, sollte sich für den Vorverkauf auf U2.com anmelden und sein Budget festlegen, bevor die Warteschlange öffnet, nicht währenddessen. Wer unentschlossen ist, wartet besser auf die ersten Berichte von den lateinamerikanischen Terminen. Dann wissen wir, was die Show tatsächlich ist. Bis dahin ist „Greatest Show On Earth“ eine Herausforderung, und die Band hat den Einsatz gerade erhöht.
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