BTS in São Paulo: vier Bildschirme, aber Erwartungen für zwölf
Auf der Südamerika-Etappe schrumpft die Videotechnik von 12 LED-Panels auf vier. Das ist keine Fußnote, sondern eine Produktänderung, die Fans vor dem Kauf hätten erfahren müssen.
KI-generiertes Bild
Wenn dieselbe Eintrittskarte je nach Kontinent eine andere Show bietet, ist es dann noch dieselbe Karte? Diese Frage steht diese Woche über dem Morumbi-Stadion in São Paulo, wo BTS am 28. Oktober eine Serie von drei ausverkauften Abenden eröffnet.
Hier die Kurzfassung. Laut Terra kamen bei der Arirang-Tour in Asien, Europa und Nordamerika 12 LED-Panels zum Einsatz, auf der Südamerika-Etappe sind es vier. Fans protestierten, und Procon-SP sowie die nationale Verbraucherschutzbehörde Senacon setzten die beteiligten Unternehmen in Kenntnis. Die Staatsanwaltschaft von São Paulo verlangte zudem Erklärungen zu Unterschieden zwischen dem beim Ticketverkauf verwendeten Sektorenplan und dem von der Stadt veröffentlichten technischen Plan. Live Nation machte in einer Stellungnahme vom 26. Oktober logistische und terminliche Grenzen verantwortlich.
„Logistik“ ist eine Erklärung, keine Rechtfertigung
Wir können nicht wissen, wie die tatsächlichen Beschränkungen aussahen, und die Unterlagen sagen es nicht. Ein größeres Videosystem über einen Kontinent zu transportieren und aufzubauen, ist plausiblerweise schwierig. Doch man beachte, was diese Erklärung einräumt: Die Grenze war den Veranstaltern vermutlich bekannt. Ein Promoter, der weiß, dass die Produktion kleiner ausfällt, hat die nötigen Informationen, um es den Käufern zu sagen, bevor sie auf „Bezahlen“ klicken. Die Empörung entstand, weil die Fans es selbst herausfanden, nicht weil sie informiert wurden.
Der Bericht von Estadão besagt, der Produzent präsentiere die vier Bildschirme als 360-Grad-Erlebnis. Mag sein. Aber „anders“ ist nicht „gleichwertig“, und in einem Stadion sind Bildschirme keine Dekoration. Für alle, die weit von der Bühne entfernt sitzen, sind sie die Show.
Die Sichtverhältnisse sind das eigentliche Produkt
Bei einem Stadionkonzert sieht der größte Teil des Publikums den Künstler als winzigen Punkt. Die Videowand macht aus einem entfernten Platz ein Ereignis. Weniger Bildschirme bedeuten wahrscheinlich mehr Plätze mit schlechterer oder schrägerer Sicht. Wir halten das für den Punkt, den die Fans intuitiv verstanden haben; er erklärt auch, warum sich der Zorn gegen die Veranstalter richtete und nicht gegen die Band. Terra stellt fest, dass sich die Beschwerden vor allem an die Produzenten und nicht an die Mitglieder richten.
Das Problem mit dem Sektorenplan verschärft die Lage. Stimmt der beim Verkauf gezeigte Plan nicht mit dem von der Stadt veröffentlichten überein, der Berichten zufolge nicht offengelegte Sektoren enthielt, kann der Käufer nicht beurteilen, was ein Platz wert ist. Das ist ebenso ein Preisproblem wie ein Produktionsproblem.
Erst Transparenz, dann Erstattung, wo die Sicht nachweislich schlechter ist
Unsere Position ist einfach. Ein Megastar mit ausverkauftem Stadion sitzt am längeren Hebel, und gerade dann ist es am billigsten, auf Transparenz zu verzichten. Die Nachfrage wäre nie eingebrochen: Die Tickets waren ausverkauft. Das ist der unbequeme Teil. Wenn eine Show garantiert voll wird, ist der Anreiz, mehr als nötig zu erklären, nahezu null.
Der Maßstab sollte daher lauten: Weicht die Produktion wesentlich von der beworbenen oder allgemein bekannten ab, muss das beim Verkauf gesagt werden. Und wo ein bestimmter Platz nachweislich eine schlechtere Sicht hat, als der Plan versprach, sollten Fans eine Erstattung oder einen Platztausch verlangen können. Nicht jedes enttäuschte Army-Mitglied hat Anspruch auf sein Geld zurück; „Ich hatte mehr Bildschirme erwartet“ ist ein Gefühl, kein Mangel. Ein abweichender Plan hingegen ist dokumentierbar, und die Verbraucherbehörden haken zu Recht nach.
Auch den Schaden wollen wir nicht übertreiben. Laut Estadão spielt die Band nach sieben Jahren Abwesenheit von Brasilien eine Setlist mit 23 Songs, darunter zwei Überraschungsstücke. Viele Fans werden zufrieden nach Hause gehen, und ein Teil der Wut ist wohl durch soziale Medien verstärkt. Dennoch löscht ein guter Abend das Prinzip nicht aus.
Das Fazit
Die Lehre ist nicht, dass Live Nation besonders zynisch wäre; dafür haben wir keine Belege. Sie lautet, dass südamerikanische Fans Gefahr laufen, zum selben Preis eine abgespeckte Version des Produkts zu bekommen, wobei die Erklärung erst nach dem Geld eintrifft. Promoter sollten die Video- und Bühnenspezifikationen je Markt veröffentlichen, bevor der Verkauf beginnt. Aufsichtsbehörden sollten weiter die Sitzpläne einfordern. Und Fans sollten „dieselbe Show“ vor der nächsten Tourankündigung als Behauptung betrachten, die es zu überprüfen gilt, nicht als Selbstverständlichkeit.
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