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Musisfera-Redaktion
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George Michaels Faith-Gitarre und der Preis eines Vermächtnisses

Gitarre, Filofax und Familienstreit zeigen, wie schnell das Andenken einer Legende einen Preis bekommt – und warum Fans Klarheit fordern sollten: was wird verkauft, von wem, in wessen Namen?

Veröffentlicht
29. Oktober 2026
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3 min
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Wem gehört die Erinnerung an eine Legende: den Fans, die ihre Lieder mitgesungen haben, der Familie, die sie gehütet hat, oder wer auch immer gerade die Papiere in der Hand hält? George Michaels Faith-Gitarre wird heute versteigert, und die Antwort lautet unbequemerweise: wohl Letzteres.

Die Fakten sind schnell erzählt. Sworders versteigert 32 Lose unter dem Titel „Faith & Fame“ aus der Sammlung von Siobhan Bailey, die rund 20 Jahre lang Michaels persönliche Assistentin war. Das Glanzstück ist eine Gretsch-Synchromatic-Gitarre aus dem Faith-Video von 1987, geschätzt auf 60.000 bis 120.000 Pfund. Bailey starb 2014. Ihr Witwer Ian Belcher, von dem sie sich trennen wollte, erbte ihren Nachlass und verkauft nun. Ihr Bruder Gerard Bailey sagte der BBC, sie habe ein Testament aufgesetzt, das die Gegenstände an Nichten und Neffen gegeben hätte; es sei aber nie registriert worden. Wie der Bericht von AOL festhält, deutet nichts darauf hin, dass Belcher nicht zum Verkauf berechtigt wäre.

Legal und fair sind nicht dasselbe

Dieser letzte Punkt ist der wichtigste. Sworders erklärt, der Rechtstitel sei nicht angezweifelt, und nach der Aktenlage scheint das zutreffend. Doch „es ist legal“ ist in dieser Debatte der Boden, nicht die Decke. Ein begonnenes, aber nie fertiggestelltes Testament ist die älteste Geschichte des Erbrechts, und es hinterlässt eine Lücke, die der Markt sehr effizient füllt.

Unsere Einschätzung: Das Auktionshaus ist hier nicht der Bösewicht, und der Erbe ist es auch nicht, weil er schlicht seine Rechte ausübt. Wenn der Katalog aber um Baileys Namen, ihre Freundschaft und ihren Status als „vertraute Ansprechpartnerin“ herum aufgebaut ist, lebt der Verkauf von einer Beziehung, in die sie selbst nicht mehr einwilligen kann. Die Bitte ihres Bruders war bescheiden: die Lose als Belchers Eigentum zu präsentieren oder ihren Namen nicht zu verwenden. Das ist eine vernünftige Bitte, und sie zu erfüllen kostet wenig.

Die persönlichsten Lose sind der eigentliche Test

Eine Goldene Schallplatte für Wake Me Up Before You Go-Go, geschätzt auf 200 bis 500 Pfund, ist eine Sache. Ein Filofax von der Faith-Tour 1988, voller handschriftlicher Notizen Baileys, ist eine andere. Er wurde auf bis zu 600 Pfund geschätzt, und laut Berichten lagen die Gebote vor der Auktion bereits bei 1.750 Pfund. Signierte Fotos mit Widmung an sie sowie als „unverkäuflich“ gekennzeichnete Stücke stehen im selben Katalog.

Hier sitzt aus unserer Sicht das Unbehagen. Fans lieben solche Dinge, und es ist nichts Verwerfliches daran, ein Stück der Faith-Ära besitzen zu wollen. Aber das private Tagebuch einer Arbeitsbeziehung ist keine Trophäe, es ist das Leben eines Menschen. Das gesamte Archiv soll mehr als 200.000 Pfund einbringen, und diese Zahl zeigt, was die Diskretion einer stillen Assistentin heute als Produkt wert ist.

Transparenz ist das Mindeste, was Fans einfordern sollten

Blicken wir auf das größere Bild. Michael starb 2016, und getrennte Rechtsstreitigkeiten um seinen Nachlass sollen ein unveröffentlichtes Album sowie einen früheren Freund und Manager betroffen haben. Dieser Verkauf gehört nicht zu diesem Fall, und das wollen wir nicht verschleiern. Das Muster reimt sich dennoch: Ein Vermächtnis wird stückweise und von unterschiedlichen Händen zu Geld gemacht, während die moralische Eigentümerschaft ungeklärt bleibt.

Was sollten Fans verlangen? Kein Verbot des Handels mit Erinnerungsstücken, der so alt ist wie das Fandom selbst. Nur drei Dinge: klar sagen, wer verkauft, woher die Stücke stammen und wer daran verdient. Wenn eine Familie öffentlich Einspruch erhebt, sollte sich der Verkäufer damit auseinandersetzen, statt sich hinter Verfahrensfragen zurückzuziehen. Belcher war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, und Sworders erklärte, man sei „nicht in der richtigen Position, um eine Familienangelegenheit zu kommentieren“. Das stimmt zwar, beantwortet aber nicht die eigentliche Bitte des Bruders.

Unser Urteil: Wer bieten muss, soll bieten, aber den Katalog wie eine Biografie lesen und nicht wie eine Einkaufsliste. Die Gitarre wird ihren Käufer finden. Die bessere Frage ist, ob je jemand diejenigen gefragt hat, die Michael und Bailey tatsächlich kannten.

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